25 ausgewählte Schüler unserer 10. Klassen durften am Seminar „Vom Umgang mit der Freiheit – das Ministerium für Staatssicherheit der (ehemaligen) DDR“ (15.-17.5. 2017) teilnehmen.

Am Montagmorgen klingelte für uns der Wecker bedeutend früher als üblich. Schließlich fuhren wir schon um 5:00 Uhr morgens los, um pünktlich um 10:00 Uhr am Heiligenhof in Bad Kissingen zu sein. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, ging es schon los. Zu Beginn diskutierten wir mit dem Hausherrn Herrn Rümenapp über den Begriff „Freiheit“. Im Verlauf des Gesprächs wurde uns erst bewusst, wie schwierig es ist, den Begriff „Freiheit“ zu definieren, aber auch wie schmal der Grat ist, die Freiheit zu schützen und gleichzeitig die Sicherheit zu gewährleisten. Nach dieser Diskussion vertiefte Frau Oertel von der Landeszentrale für politische Bildung unser Wissen über das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Dr. Matthias Wanitschke bereitete uns am Nachmittag auf das Zeitzeugengespräch am darauffolgenden Tag vor. Mithilfe eines Films mit und über unseren Zeitzeugen Hartmut Rosinger, der als IM für die STASI tätig war und seinen damaligen Freund Peter Wilkau bespitzelt hatte, sowie Auszügen aus den betreffenden STASI-Akten arbeiteten wir Fragen aus, welche dann im Plenum besprochen wurden. Der Spielfilm „Das Gift des Skorpions“ rundete den ersten Abend ab.

Am Dienstag fuhren wir nach Erfurt, wo wir nicht nur die Gelegenheit hatten, die ehemalige STASI-Außenstelle in Erfurt zu besuchen, sondern auch Herrn Rosinger kennenzulernen. Offen und mit viel Geduld beantwortete der ehemalige IM alle unsere Fragen. Durch dieses Gespräch bekamen wir einen Einblick in seine Gedanken und seinen Umgang mit der eigenen Schuld. Nach einer kurzen Pause durften wir auch einen Blick in das Magazin der in Erfurt befindlichen STASI-Akten werfen, wo uns erklärt wurde, wie diese Akten aufgebaut sind. Obwohl wir nur einen Bruchteil der Akten zu sehen bekamen, wurde uns spätestens da das Ausmaß des Überwachungsapparats in der ehemaligen DDR bewusst. Frau Drößinger schließlich illustrierte uns mithilfe einiger Fallbeispiele, wie massiv die Einschüchterung der STASI von Statten ging. Den krönenden Abschluss bildete für uns das gemeinsame Lagerfeuer, bei dem wir nicht nur Marshmallows grillten, die Herr Krasevac für uns organisiert hatte, sondern auch die vielen Infos aus Vorträgen, Gesprächen und gut gewählten Filmbeispielen Revue passieren lassen konnten. Am Mittwoch schließlich wartete eine praktische Quellenarbeit auf uns, bei der wir uns in Gruppen in vier unterschiedliche STASI-Akten einarbeiten konnten. Besonders aufwühlend war der Fall eines Fluchtversuchs zweier Jugendlicher in unserem Alter, bei dem einer der beiden erschossen wurde. Am späten Mittag mussten wir leider schon wieder Abschied von Bad Kissingen nehmen. Wir alle fanden den Lernort sehr gelungen, da wir einen vertieften Einblick in den Apparat der Staatssicherheit bekamen und persönlich mit einem damals Beteiligten in Kontakt kamen.

Anna Nouri 10b

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