Im Pausenhof des Valentin-Heider-Gymnasiums gibt es gerade eine außergewöhnliche Kunstausstellung zu sehen.

Außergewöhnlich deshalb, weil Schüler der Schule gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen Kunstobjekte geschaffen haben, die schön zum Anschauen und gut zum Benutzen sind und gleichermaßen zum Nachdenken anregen. Einst standen sie im Speisesaal der Lindenberger Werkstätten und dienten dort arbeitenden Menschen mit Behinderungen als bequemer Sitzplatz. Heute sind aus den einfachen Holzstühlen lustige Kühe, ein strahlendes Sonnenblumenfeld, ein königlicher Thron oder ein romantischer Rosensitzplatz geworden. Lediglich ein bisschen Farbe, Pappmarchée, Filz oder Treibholz haben sie von alltäglichen Gebrauchsgegenständen zu Kunst werden lassen, die zwar noch zu gebrauchen, aber alles andere als alltäglich sind.
So besonders und sehenswert diese und die anderen ausgestellten Kunstobjekte an sich auch sein mögen, zu etwas ganz besonderem wurden sie durch ihre Erschaffer. Und das sind 41 Jugendliche. 25 Schüler der elften Klassen des VHG´s sowie 16 junge Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe Lindau und Lindenberg. Gemeinsam haben sie in kleinen, gemischten Gruppen ihre Ideen in die Tat umgesetzt. „Es war eine neue Erfahrung und hat viel Spaß gemacht“, erzählt die siebzehnjährige Lisa Ullmann und ihre Klassenkameradinnen vom VHG, Katharina und Myriam, nicken begeistert. Begeistert sind auch die Jugendlichen der Lebenshilfe. „Es war toll“, rufen Melek, Diana und ihre Freunde aus einem Munde. „Es hat uns Spaß gemacht was aus Holz zu bauen“, erklärt Melek und sagt, dass ihr die Teamarbeit mit den Gymnasiasten dabei am meisten gefallen hat.
Initiiert wurde das Projekt von Daniela Schäffler, die im Sozialdienst der Lebenshilfe sowohl in Lindenberg als auch in Lindau arbeitet. Nachdem die Lebenshilfe bereits schon in der Vergangenheit mit dem VHG zusammengearbeitet hatte und im Rahmen des Unterrichtsfachs „Sozialwissenschaftliches Arbeitsfeld“ Gymnasiasten bei der Lebenshilfe zu Gast waren, war der Kontakt zur Fachlehrerin Michaela Kröll schnell hergestellt. Mit ins Boot geholt konnte dann noch Kunstlehrerin Uta Weik. „Es ging uns darum zu zeigen, was es heißt mit Behinderten zusammen zu arbeiten“, erklärt Schäffler. Doch nur allein dabei blieb es nicht. „Es war verblüffend, wie schnell der Kontakt da war und wie gut sie miteinander gearbeitet haben“, ergänzt sie. Sie erzählt auch, dass der Grund für dieses Projekt wiederum ein anderes war. In diesem riefen Künstler zu einem grenzüberschreitenden Projekt auf, bei dem nichtbehinderte und behinderte Künstler einen sieben Kilometer langen Rundwanderweg vom deutschen Schäffau zum österreichischen Thal zum Kunstwanderweg werden lassen sollten. Einen Monat lang, den ganzen Mai über, sei dieser Weg ein riesen Erfolg gewesen. Damit zumindest der Teil des Kunstwanderwegs auch dort gesehen wird, wo er herkommt, wurden die Objekte der Lindauer und Lindenberger ins VHG geholt, wo sie noch den ganzen Juli über zu bestaunen sind.
Höhepunkt der Vernissage im VHG war, wie Jugendliche der Lebenshilfe zusammen mit Mitarbeitern pantomimisch zeigten, wie sie in Kunst einsteigen. Nämlich ganz einfach durch die Tür und indem sie sich gegenseitig die Hand geben, um dann auf einem Rollator-Treibholz-Motorrad davonzufliegen.